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“Es muss gemütlich sein”

, 16. März 2012, 0 Kommentare  

Ende Februar bot sich mir die Chance, die Tonermanufaktur der ARP in den Niederlanden zu besuchen. Die Haupterkenntnis dieses Besuches ist so banal wie richtig: Es muss gemütlich sein!

 

Von Stephan Knepper

 

Den ersten Eindruck von der Produktionshalle bekomme ich durch Zufall. Nach meiner Ankunft werde ich in ein Sitzungszimmer geführt und mit Kaffee versorgt. Nachdem ich mich eingerichtet habe, bekomme ich Besuch von Didier Mouchart. Der Marketingverantwortliche der ARP-Niederlassung in Maastricht ist, wie ich, frisch aus dem Urlaub zurück und hat einen Berg Mails abzuarbeiten. Wir beschliessen unser geplantes Meeting am späten Vormittag zu machen. Erst wollen wir beide ankommen. Damit ich mich zurechtfinde führt mich Didier noch kurz durchs Büro. Vorbei am Aufenthaltsraum gehen wir durch ein paar schmale Gänge und stehen plötzlich in einer Halle. Vor mir beginnt eine lange Reihe Drucker und überall liegen Toner. Ich bin in der Manufaktur.

 

Ein halbes Jahr arbeite ich nun bei der ARP-Gruppe am Hauptsitzt in Rotkreuz. In dieser Zeit bin ich schon öfter mit den ARP-Tonern in Berührung gekommen. Es ist auch schwierig das zu vermeiden, schliesslich handelt es sich bei den Tonern um eins der erfolgreichsten Eigenmarkenprodukte im Sortiment. Es ist also nicht verwunderlich, dass man stolz ist auf die Toner. Ausserdem ist es das einzige Produkt, das die ARP selber herstellt. Grund genug also sie sich etwas genauer anzuschauen.

 

Den Vormittag verbringe ich mit dem Abarbeiten meines Mailbergs und dem Gespräch mit Didier. Meinen Termin mit Ben Brouns, dem Managing Director der Manufaktur, für die Führung habe ich am Nachmittag. Zum vereinbarten Zeitpunkt werde ich allerdings von Herman Overberg abgeholt. Er stellt sich gut gelaunt als mein Tourguide und die rechte Hand von Ben vor. Dann nimmt er mich mit in die Produktionshalle. Hier stellen insgesamt 17 Personen in einem Monat ca. 4500 bis 5000 ARP-Toner her. Gleichzeitig sind die allerdings nie da. Durchschnittlich wären 14 bis 15 Leute pro Tag da sagt mir Herman, irgendwer hätte eigentlich immer Urlaub oder frei. Eng wirkt die Halle wahrlich nicht. Ungefähr ein Viertel ist belegt durch hohe Regale in denen Paletten fertiger ARP-Toner, kistenweise leere Kartuschen und Boxen voller schwarzem, rotem, blauen und gelbem Tonerpulver lagern.

 

Regale bis unter die Decke.
Regale bis unter die Decke.
Leere Tonerkartuschen die darauf warten wiederverwertet zu werden. ARP verwendet ausschliesslich einmal benutzte Kartuschen.
Leere Tonerkartuschen die darauf warten wiederverwertet zu werden. ARP verwendet ausschliesslich einmal benutzte Kartuschen.
Hier werden die leeren Kartuschen von Verscheissteilen befreit und mit Luftdruck gereinigt.
Hier werden die leeren Kartuschen von Verscheissteilen befreit und mit Luftdruck gereinigt.
Die Spülmaschine. Sie kommt bei grösseren Mengen zum Einsatz. Auch hier wird nur mit Luftdruck gereinigt.
Die Spülmaschine. Sie kommt bei grösseren Mengen zum Einsatz. Auch hier wird nur mit Luftdruck gereinigt.
Mit diesem Laser werden die Kartuschen geöffnet.
Mit diesem Laser werden die Kartuschen geöffnet.
Bei kleineren Stückzahlen erfolgt die Befüllung per Hand.
Bei kleineren Stückzahlen erfolgt die Befüllung per Hand.
Bei grösseren Mengen erfolgt die Befüllung automatisch.
Bei grösseren Mengen erfolgt die Befüllung automatisch.
Der kleine Sack roter Toner kostet etwa genauso viel wie die ganze Tonne schwarzer Toner.
Der kleine Sack roter Toner kostet etwa genauso viel wie die ganze Tonne schwarzer Toner.
Nach der Befüllung wird die Kartusche wieder verschlossen. Sie muss 100% luftdicht sein.
Nach der Befüllung wird die Kartusche wieder verschlossen. Sie muss 100% luftdicht sein.
Hier lagern die neuen Verschleissteile für die Kartuschen.
Hier lagern die neuen Verschleissteile für die Kartuschen.
Pro Modell gibt es einen individuell bestücken Wagen mit Verschleissteilen.
Pro Modell gibt es einen individuell bestücken Wagen mit Verschleissteilen.
Hier werden die Kartuschen wieder zusammengesetzt.
Hier werden die Kartuschen wieder zusammengesetzt.
Anschliessend wird jede Kartusche getestet.
Anschliessend wird jede Kartusche getestet.
Wer den Test besteht wird schlussendlich verpackt und verschickt.
Wer den Test besteht wird schlussendlich verpackt und verschickt.

 

Dann gibt es verschiedene Arbeitsbereiche. Auffällig ist das Fehlen von grossen Maschinen. Ich hatte mit Produktionsstrassen voll mannshoher Roboter gerechnet, aber es stellt sich heraus, dass die Toner fast komplett in Handarbeit hergestellt werden. Gemeinsam mit Herman laufe ich durch die Halle und lasse mir sämtliche Arbeitsschritte erklären. Die Stimmung unter den Mitarbeiter ist konzentriert aber entspannt. Herman scherzt mit ihnen und im Radio läuft Musik. “Gemütlich muss es sein”, sagt er zu mir, “die Leute sind schliesslich einen Grossteil des Tages hier und müssen sich bei der Arbeit konzentrieren, da bringt es doch nichts wenn die Stimmung angespannt ist”.

 

Zum Schluss der Führung kommen wir zurück zu den Druckern, die ich schon am Vormittag gesehen hatte. Bevor die Toner verpackt werden, wird jeder einzelne getestet. Erst danach bekommen sie ihren Barcode, auf dem unter anderem das Produktionsdatum und der Mitarbeiter vermerkt sind, der den Toner zusammengesetzt hat. So lässt sich, falls mal eine Reklamation kommt, die Fehlerquelle leichter finden. Aber das käme zum Glück nur sehr selten vor, meint Herman mit einem breiten Lächeln: “Sonst könnten wir ja auch keine 24 Monate Garantie auf die Toner geben”.

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